Dieser Beitrag ist auch verfügbar auf: Englisch

Als erste weibliche Werksleiterin in der Reifenproduktion ist Katrin Reinecke für ContiLifeCycle (CLC) in Hannover Stöcken verantwortlich. Wir haben ihr ein paar Fragen zu ihren Zukunftsplänen für CLC und ihren Ansichten über eine gute Führungsphilosophie gestellt.

  • Katrin, Du bist die erste weibliche Werksleiterin in der Reifenproduktion. Seit wann hast Du diese Position inne? Was sind Deine Verantwortlichkeiten?

Im Januar 2017 habe ich die Leitung des Werkes ContiLifeCycle übernommen. Meine Hauptverantwortung liegt neben der operativen Arbeit vor allem darin, das gesamte CLC Team in Stöcken von der Ramp-Up Phase bis in die Stabilisierungsphase zu leiten. Während der Fokus in der Ramp-Up Phase darin lag, die Produktion aufzubauen und eine Produktionsmenge gemäß der Prognose zu schaffen, heißt es nun, die Produktionsprozesse auf ein stabiles und zuverlässiges Niveau zu bringen und gleichzeitig eine kontinuierliche Verbesserung der Werkskultur zu fördern.

  • Welches sind die größten Meilensteine Deines beruflichen Werdegangs? Was hast Du getan, um Deine Karriere voranzutreiben?

Ich begann meine Karriere mit einer Ausbildung als Mechatronikerin bei der Deutschen Bahn. Später habe ich mein Diplom in Mechatronik abgelegt und in England einen Master in Automotive Engineering absolviert. Meine erste Station bei Continental war 2006 die Aufnahme in den R&D Trainee Pool. In den folgenden drei Jahren entwickelte ich LKW-Reifen bevor ich dann als Teamleiterin für die Produkt Industrialisierung ins Petaling Jaya Werk nach Malaysia wechselte. Zurück in Hannover machte ich den nächsten Halt in der Büttnerstraße in der Unternehmenseinheit EMEA PLT als CBS Business Unit-Coach. Weiter ging es bei mir dann als Leiterin des Produktionsservices für LKW-Reifen unter Thierry Wipff. Dort war ich verantwortlich für die Planung aller Investitionen für Reifen- und Reifenerneuerungs-Werke weltweit (einschließlich der Erweiterungen, Technologien, ESH und Qualitätsanforderungen). Jetzt bin ich hier und leite das ContiLifeCycle Werk in Stöcken.

  • Was ist Deine Vision für das ContiLifeCycle Werk für die nächsten 5 Jahre?

Meine Vision für das CLC Werk ist, dass wir als leidenschaftlich und engagiert arbeitendes Team nachhaltige und kosteneffiziente, innovative und runderneuerte Reifen bester Qualität für unsere zufriedenen Kunden produzieren. Dazu tragen wir zum profitablen Wachstum des CLC Geschäftsbereiches in EMEA bei.

Ein starker Fokus wird in der kommenden Zeit auf unseren Mitarbeitern liegen; wir wollen konstant unser Bewusstsein für Arbeitssicherheit stärken und verbessern. Zudem wird „Verbundenheit“ der Unternehmenswert sein, auf den wir uns besonders konzentrieren wollen. Wir müssen außerdem eine bessere Transparenz in unserer Kostenstruktur schaffen, um Ineffizienzen und Verschwendungen zu identifizieren, zu vermeiden und dadurch wettbewerbsfähiger zu werden.

  1. Was ist deine persönliche Führungsphilosophie?

Aus meiner Sicht gehört es zu den wichtigsten Aspekten, menschenorientiert zu handeln und die Entwicklung meiner Mitarbeiter zu fördern. Als Manager kümmerst Du Dich nicht mehr um Deine eigene Entwicklung, sondern um die Deiner Mitarbeiter. Deine eigene Entwicklung ist dann auf sich selbst gestellt. Das ist der Grund, warum ich mich in meiner neuen Funktion im CLC Werk als erstes um Themen der Arbeitssicherheit und Krankheitsraten gekümmert habe. Mein Ziel für 2017 ist es, sicherzustellen, dass die Menschen hier gern herkommen und sich auch bei der Arbeit wohlfühlen.

Da ich mit vielen Abteilungen vertraut bin und mir ein großes Netzwerk aufgebaut habe, sehe ich Dinge aus vielen verschiedenen Perspektiven. Ich glaube, dass das einen frischen Wind hier ins CLC Werk bringen kann. Zudem freue ich mich sehr darüber, dass mein Chef, Thierry Wipff, mir den Freiraum lässt, mich selbst zu entwickeln.

  • Denkst Du, es gibt einen Unterschied zwischen männlichem und weiblichem Führungsstil? Warum?

Ich denke, es ist nicht fair, nur zwischen männlichem und weiblichem Führungsstil zu unterscheiden. Es hängt viel mehr vom Charakter einer Person ab, was wiederum recht unabhängig vom Geschlecht ist.

  • Welches war die größte Herausforderung während Deines beruflichen Werdegangs?

Die größte Herausforderung war es zunächst einmal meinen eigenen Weg zu finden. Mir war bewusst, dass die Industrie mir viele Möglichkeiten bieten würde, aber welche war die richtige? In meiner Familie ist niemand Ingenieur, den ich um Rat oder Bestätigung bitten konnte, obwohl ich früh merkte, dass ich viel Freude an Mathe und Physik hatte. Ich musste mich in einem Jahr mit verschiedenen Praktika selbst finden, um zu merken, dass ich eine richtige Leidenschaft für Maschinenbau und Elektrotechnik habe. So kam ich letztlich also zu meiner Ausbildung zur Mechatronikerin.

  • In Deiner Funktion als Werksleiterin hast du viel Verantwortung und musst sehr flexibel hinsichtlich deiner Arbeitszeiten sein. Bekommst Du dahingehend immer Unterstützung von Deiner Familie?

Ich bin glücklich, einen Partner zu haben, der mir immer den Rücken stärkt und mich unterstützt. Er hat seinen Job damals aufgegeben, damit wir gemeinsam nach Malaysia gehen konnten. Das war eine gute Entscheidung, denn wir haben in dieser Zeit auf Bali geheiratet. Als unser Sohn 2014 geboren wurde, blieb mein Mann für mehr als zwei Jahre zu Hause, um auf ihn aufzupassen. Unser Sohn hat alles auf den Kopf gestellt, nicht nur zu Hause, sondern auch im Continental Kindergarten. Vor einem Jahr sind meine Familie und ich dann in unser Haus in Neustadt gezogen, um uns niederzulassen – zumindest für jetzt.

Katrin Reinecke ist in Hagen im Ruhrgebiet geboren und dadurch mit Herz und Seele Borussia Dortmund Fan. In ihrer Jugend spielte sie selbst auch Fußball und Basketball. Ihre Leidenschaft andere Länder zu bereisen und ihre große Abenteuerlust geht stark einher mit ihrer Leidenschaft für die Formel 1. Bevor sie zu Continental kam, arbeitete sie für einige Zeit in Melbourne in Australien und studierte in Birmingham in England.

Meral Michels

More posts by Meral

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.